Karte schließen Karte als VollbildVollbild schließen
Ein Berg Schellen am Viehscheid in Balderschwang, © Gäste-Info Balderschwang

Kinder vor Alpe Osterberg, © Obermaiselstein

Trachtenhüte Gleich vorab eine Klarstellung: Den einen, einheitlichen Allgäuer Dialekt gibt es nicht, auch wenn von ihm immer wieder gesprochen und geschrieben wird. Man stößt nämlich zwischen Bodensee und Ammergebirge auf solch gewaltige Mundartunterschiede, dass selbst fremde Ohren sie nicht überhören können.

 

Dieser Gebietsstreifen ist sogar von einer ganz scharfen Mundartgrenze, der "Wiib-Weib-Linie", durchschnitten. Sie schlägt nach der traditionellen und noch heute in der Sprachwissenschaft üblichen Einteilung das Westallgäu (einschließlich dem Umland von Wangen und Isny) und das Oberallgäu südlich von Immenstadt dem Alemannischen zu, die übrigen Gebiete des Allgäus aber dem Schwäbischen.

Hier ein Beispiel:

Ein Gedicht zur Bergtour von Martin Hehl aus Oberstdorf

Wo’n i am Moarge bi vrwached,
hots Sunneliecht in’d Bugrad glached,
no ho’br schu glei denkt: Holdjumm –
huit gang i uf de Beslar numm!

I richt’br glei de Bugglsack
und siech – es fählt dr Freasstabak,
drum bin’e zu Mayers Hansl num gloffe
und ho dedd Müllar’s Emman droffe.

Ja, Grieß de Gott, Emma, i bi grad uf’m Weag
uf an Üsflug, hofreacht ning i d’Bearg.
Kumm, gang hea, und löüf mit mir
und hindanoche süfe’br no a Halbe Bier!

So schramme’br nüf, i d’Heache, mir zwei
händ a Broatzidd im Rucksack und zwei Schdeacke drbei,
s goht üe i d’Schrofe, mir härzed i d’Wond
und findet no bold druf am Kriz isan Schtond.

Dedd mache’br Broatzidd, d’Emma und i,
lüeged um’s Rädle i d’Widde, und d’Weald dünkt is schie,
a healschina Sunndag und d’Gems i de Wänd,
was mir fir a wündrschies Huimatle händ!
 

Frau am Besler 

 

 

 Können Sie das Übersetzen?

 

 

 

 

Übersetzung:


Als ich am Morgen früh erwachte,
bemerkte ich, dass die Sonne mir entgegenlachte,
da dacht’ ich mir gleich: Holdrijöh,
heute geh’ ich in die Höh!

Ich zog mich an in meiner Suite
und packte auch die Rückentüte.
Als der Kautabak fehlte, ging ich sodann
zum Kiosk und traf Frl. Müller noch an.

Grüß Gott, Frl. Emma, geh’n se mit auf den Weg
da rauf in die Berge, über Felsen und Steg?
Kommen Sie, Frl. Müller, und laufen Sie mit mir,
anschließend trinken wir auf der Alpe noch n kühles Bier.

Dann laufen wir bergwärts – zum Gipfel – wir zwei.
Ein Lunchpaket und zwei Alpstangen haben wir dabei.
Wir steigen ein in den Fels und nach ein paar Stunden
stehen wir oben am Kreuz – wir Bergvagabunden!

Wir essen die Stullen, die Emma und ich
schauen runter ins Tal – die Aussicht spricht für sich!
Ein Gamsbock, der hoppelt über Scholle und Stein,
was müssen die Menschen hier oben glücklich sein…