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Zugschellen, © Obermaiselstein

Zugschellen, © Obermaiselstein

Peter Schöll

 

 

 
Wenn der Viehscheid naht ist Peter Schöll ein gefragter Mann. Denn er gehört zu den weingen Schellenriemenmachern in den Hörnerdörfern. Er sorgt dafür, dass den Rindviechern der Region die Schellen und Glocken nicht einfach um den Hals baumeln, sondern mitsamt dem Geläut zu einem echten Hingucker werden.

 

 

 

Unter seinen geschickten Händen entstehen die kunstvoll mit Fransen und Dachshaar verzierten oder aufwändig bestickten breiten Lederbänder. Die alte Handwerkskunst hat sich der 51-jährige Obermaiselsteiner, im Hauptberuf Elektriker, selbst beigebracht. Er schaute anderen Handwerkern über die Schulter, las Bücher. Aber vor allem hat er "alte Teile" zerlegt und die Machart studiert.

Inzwischen führt Schöll ein gut bestücktes Musterbuch, aus dem sich seine Kunden ein passendes Modell heraussuchen können. Da gibt es ein aufgesticktes Edelweiß, silberne aufgesetzte Metallteile sind mit blauen und weißen Bändern durchzogen, auf einer rautenförmigen Messingplakette steht die Bitte "Gott schütze unsere Herde".

"Der Phantasie", sagt der Macher, "sind keine Grenzen gesetzt." Das Buch ist besonders hilfreich, wenn ihn Kunden aufsuchen, die noch nicht genau wissen, mit welchem "Halsband" sie ihr Vieh beglücken möchten. Andere haben wiederum ganz klare Vorstellungen. Mit ihnen muss der Hobby-Riemenmacher dann besprechen, ob es machbar ist.

Zugschelle Wie viele Riemen er pro Jahr produziert, weiß er nicht. Der Handwerker, der nur abends, im Urlaub oder an Wochenenden arbeitet, braucht für einen aufwändig verzierten Riemen schon fünf bis sechs Stunden. Aus einer Gerberei in der Region bezieht Schöll ganze Rinderhäute, die er dann passend zuschneidet. Nach dem Zuschneiden zeichnet er die gewünschten Muster vor oder ritzt die gleich mit dem passenden Werkzeug ein. Ist eine Stickerei erwünscht, spannt Schöll den Riemen ein, sticht mit der Schusterahle die Löcher hinein und führt breite farbige Kunststofffäden hindurch. Auf einer der Singer- oder Pfaffnähmaschinen, die er damals gebraucht erstanden hat - die älteste hat geschätzt rund 80 Jahre auf dem Eisenbuckel-, näht Schöll dann Fransen oder Dachshaare an.

Über mangelnde Aufträge kann er sich nicht beklagen - die weiteste Lieferung ging bis in die USA. Reich werden kann er mit dieser Arbeit nicht: "Man kann nicht davon leben. Aber es ist immerhin ein Hobby, bei dem a bissl was hängen bleibt."